Projektreise Benin Februar 2026

 Am 8. Februar 2026 starteten Dr. Clemens Wagner, der Vorsitzende des Agromed e.V., und ich unsere Reise nach Benin. Von Düsseldorf aus flogen wir über Paris weiter nach Cotonou. Wir kamen erst spät am Abend in Benin an. Umso beeindruckender war es, dass uns dennoch ein Empfangskomitee erwartete. Trotz später Stunde saßen wir noch bei einem Bier zusammen, und ich konnte erstmals das Team der Gesundheitsstation persönlich kennenlernen. Kurz darauf fielen wir müde, aber voller Vorfreude ins Bett.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Adjadji zur Gesundheitsstation von Agromed. Unser Besuch begann mit einem Rundgang durch die Einrichtung und insbesondere durch die neu gebaute Geburtshilfe, die leider noch immer nicht in Betrieb ist. Genau das war das zentrale Anliegen unserer Reise: Gespräche mit Verantwortlichen zu führen und alles daranzusetzen, die Wiedereröffnung der Geburtshilfe voranzubringen. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass eine fertiggestellte Station aufgrund administrativer Hürden nicht genutzt werden kann.

 

Wir übergaben einen Beamer aus Deutschland und wiesen das Personal in dessen Nutzung ein. Künftig sollen damit Fortbildungen und Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung der umliegenden Dörfer durchgeführt werden – ein wichtiger Schritt für Prävention und Aufklärung vor Ort. Mein persönliches Highlight dieses Vormittags war jedoch die Laborantin Hollande. Sie untersuchte den Blutausstrich einer an Malaria erkrankten Patientin und zeigte mir einen befallenen Erythrozyten unter dem Mikroskop. Als Assistenzärztin in Deutschland bekomme ich einen solchen direkten Einblick in die Diagnostik tropischer Erkrankungen kaum – für mich war das medizinisch äußerst spannend und eindrücklich.

 

Am Nachmittag trafen wir den ärztlichen Direktor der Zone des Distrikts Allada, in dem die Gesundheitsstation liegt. Das Gespräch verlief ernüchternd, da er uns keine konkrete Unterstützung für die Wiedereröffnung der Geburtshilfe zusichern konnte und uns an andere Stellen verwies.

 

Am zweiten Tag überprüfte ich die Patientenzahlen der Station. Ich nahm stichprobenartig Fälle aus jedem Quartal und glich sie mit den Ang

aben des Teams ab. Anschließend trafen wir den Ortsbürgermeister Prof. Rodrigue. Er versprach, unser Anliegen zu unterstützen und sich für die Wiedereröffnung stark zu machen.

 

Neben den offiziellen Terminen gab es viele kleine, wertvolle Begegnungen. Direkt neben der Gesundheitsstation stellten Frauen in großen Töpfen „Sojakäse“, vermutlich eine Art Tofu, her. Die Selbstverständlichkeit, mit der hier Alltag, Unternehmergeist und Gemeinschaft gelebt werden, hat mich beeindruckt.

 

Am nächsten Tag fuhren wir nach Calavi und trafen dort den Gesundheitsminister des Departements, der direkt dem nationalen Gesundheitsminister unterstellt ist. Wir trugen erneut unser Anliegen vor. Leider konnte auch er uns keine direkte Erlaubnis erteilen. Als Clemens Wagner deutlich machte, dass die Arbeit von Agromed in Benin in Gefahr sei, falls die Geburtshilfe nicht eröffnet werden dürfe, geriet der Minister sichtbar unter Zugzwang und das Gespräch nahm eine Wende. Er sicherte uns zu, sich innerhalb von zwei Wochen in der Sache bei Agromed zurückzumelden.

Zum Mittagessen waren wir in der Mensa der medizinischen Fakultät in Cotonou: Kochbananen, fermentierter Käse und scharfe Soße. Einfach, aber hervorragend. Am Nachmittag machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Porto -Novo. Eine Stadt ,die durch die Bauten aus der portugiesischen Kolonialzeit geprägt ist.

 

Am Donnerstagmorgen wurden wir von den „Femmes balayeuses“, den Kehrfrauen des Dorfes, empfangen. Sie begrüßten uns mit Tanz, Gesang und großer Herzlichkeit. Wir wurden reichlich mit Bananen beschenkt. Diese Offenheit, Lebensfreude und Gastfreundschaft sind mir tief im Gedächtnis geblieben. Nachmittags machte ich mit Romario Houngla, dem leitenden Pfleger der Station, einen Ausflug nach Ganvié – einem Pfahlbaudorf in der Lagune nahe Cotonou, in dem rund 45.000 Menschen auf dem Wasser leben. Der Alltag dort ist beeindruckend: selbstgebaute Segel, kleine Kinder, die eigenständig mit langen Paddeln ihre Boote steuern. Romario und ich waren beide fasziniert von der Parallelwelt, die auf dem Wasser entstanden ist.

Am Freitagmorgen wurden wir in die Deutsche Botschaft eingeladen. Der deutsche Botschafter hatte von unserem Dilemma mit der Geburtshilfe erfahren und sicherte uns seine Unterstützung zu. Es war ein besonderes Gefühl, als Deutsche in einem fremden Land eine Deutsche Botschaft zu betreten und dort so offen empfangen zu werden. Den Botschafter persönlich zu treffen war eine besondere Erfahrung.

 

Anschließend fuhren wir nach Ouidah, der Stadt des Voodoo. Besonders bewegend war das „Tor ohne Wiederkehr“, ein Mahnmal an die von dort verschifften Sklaven. Die Dimension dieses Ortes und das damit verbundene Leid sind kaum vorstellbar. Direkt daneben entsteht ein riesiges Stadion – ein Sinnbild für die Dynamik und den rasanten Wandel des Landes.

Weiter ging es nach Grand-Popo, wo wir eine Nacht am Strand verbrachten. Am nächsten Morgen gab es einen Stromausfall und Sturm – wir frühstückten trotzdem in aller Ruhe. Besuch bekamen wir von einem Tuareg aus dem Niger, den Clemens Wagner von früheren Reisen kannte. Er erzählte vom harten, einfachen Leben seiner Familie und zeigte Videos aus seiner Heimat. Seine Offenheit und Gelassenheit haben mich sehr beeindruckt.

Zurück in Cotonou fand am letzten Morgen ein Abschlusstreffen mit dem gesamten Team statt, von dem wir uns anschließend verabschieden mussten. Am Abend traten wir den Rückflug an.

 

Ich bin sehr dankbar, dass ich Clemens Wagner auf dieser Reise begleiten durfte. Für mich war es eine außergewöhnliche Erfahrung – medizinisch, menschlich und kulturell. Ich habe wahnsinnig viele eindrückliche Momente erlebt und großen Respekt vor der Arbeit des Teams vor Ort gewonnen. Die Reise hat mir noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig und sinnvoll das Engagement von Agromed in Benin ist.

 

Daher hoffe ich sehr, dass die Geburtshilfe in Adjadji bald wiedereröffnet werden kann, damit Frauen und Familien vor Ort die dringend benötigte Versorgung erhalten.

 

 

Dr. Charlotte Holly

Bonn, Februar 2026

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